Chinigrossli

Am vergangenen 4. Januar war es wieder soweit: D’s Chinigrossli kam in Ferden, Kippel und Wiler. An allen Orten war je ein Rossli mit seinen Göigglärn unterwegs und die Jugendlichen der drei Jugendvereine sangen das Neujahrslied, das Dreikönigslied und das Muttergotteslied. Es ist mir ein Anliegen, allen Jugendlichen zu danken. Es ist toll, dass ihr euch auf den Weg macht, dass ihr euch einsetzt und mitmacht und so einen Brauch pflegt, der im Gesamt der Lötschentaler Traditionen einen besonderen Farbtupfer darstellt.

Nicht minder danke sagen will ich allen Näherinnen und allen, die dazu beigetragen haben, dass sich d‘ Rosslini mit den Göigglärn in derart prachtvollen Gewändern auf den Weg machen konnten. Da steckt viel Arbeit, Geduld und Herzblut dahinter – vergält’s Gott!

Immer sind wir Menschen auf dem Weg. Wir sind Suchende. Wir sehnen uns nach Licht. Es ist der Wunsch nach jenem Licht, in dem unser Menschenherz endlich ankommt und daheim ist. Dieses Sehnen und Suchen ist allen Menschen gleich welcher Religion und Kultur und über alle Zeiten hinweg gemeinsam. Die Sterndeuter aus dem Osten – so berichtet uns die Bibel – waren lange unterwegs. Ihrem mühevollen Suchen wurde schliesslich ein Ankommen geschenkt beim Kind in der Krippe. Sein Stern ist ein Widerschein des göttlichen Lichtes, das uns alle zu sich ruft. Ihr Weg ist letztlich auch unser Weg. Dabei erleben auch wir nicht selten Enttäuschungen, machen Umwege, befinden uns auf Irrwegen, verlaufen uns in Schluchten, sind wie niedergeschlagen, ohne Hoffnung, am Boden zerstört, bisweilen ohne Halt und Ziel.

Was verleiht uns Kraft zum Weitergehen? Welche Ziele haben wir im Leben?

Vielleicht müssen wir alle noch mehr bereit werden, vor dem Gottessohn niederzuknien und anzubeten. Er wird ja so leicht übersehen. Sein Licht ist nicht grell. Es blendet nicht. Es ist eher scheu und drängt sich niemandem auf. Jenen Menschen aber, der Ihm sein Herz öffnet, lässt dieses Licht Ungeahntes schauen und tiefen Frieden erfahren.

Möge Gott uns schenken, dass wir ein Leben lang auf der Suche nach Ihm bleiben. Möge Er uns, wie die Sterndeuter, erfahren lassen, dass wir nicht nur Suchende sind, sondern immer wieder auch Ankommende, Beschenkte, Staunende und Erlöste.

 Thomas Pfammatter